Currywurst boomt in allen Varianten

vor 50 Jahren wurde ein Patent auf die Spezialität angemeldet

Für Herbert Grönemeyer ist es eindeutig: "Wat schönret gibt et nich als wie Currywurst".  Der Deutschrocker steht damit nicht allein. Die Spezialität ist ein echter Renner - auch wenn sich die Gelehrten nach wie vor darüber streiten, wer sie denn erfunden hat, ob sie nun aus dem Ruhrpott stammt, aus Hamburg oder Berlin. Der Beliebtheit tut das keinen Abbruch. Für Reinhard Müller gibt es keinen Zweifel:"die Currywurst boomt in allen Varianten", weiß der geschäftsführende Gesellschafter der Schneverdinger Fleischerei Dehning. Woher sie kommt, ist unerheblich.

Offiziell gesichert ist nur eins: Die zugehörige Sauce - und damit wohl wichtigste Bestandteil eines Currywurstgerichtes - feiert am heutigen Mittwoch ihren 50. Geburtstag, die Spezialität selber ist deutlich älter.

 

Die Erfindung der Currywurst wird Herta Heuwer zugeschrieben, die erstmals am 4. September 1949 an ihrem Imbissstand an der Ecke Kant-/Kaiser-Friedrich-Straße in Berlin-Charlottenburg gebratene Brühwurst mit einer Sauce aus Toma-tenmark. Currypulver, Worchestershiresauce und weiteren Zutaten anbot. 1959 ließ sie den Namen ihrer Sauce, Chillup, als Marke schützen (Münchner Patentamt Nummer 721319). Damit machte sie Berlin offiziell zur Heimatstadt der kulinarischen Spezialität. Wie sie auf die Idee gekommen war? Der Legende nach soll die die Chillup-Sauce einfach aus Langeweile zusammengemischt haben.

 

Reinhard Müller steht entschlossen von seinem Schreibtisch auf. "Ich hol´ mal eben ´ne Currywurst hoch, damit Sie die Größe sehen." Schon nach Sekunden ist er zurück. Er hält ein Paket mit zwei eingeschweißten Würsten hoch: " Das kann so eigentlich keiner essen, das ist für uns die Familienwurst. Obwohl ... " Er unterbricht sich selber und überlegt einen Moment: "Es gibt allerdings auch Menschen bei uns am Bratwurststand, die essen fünf Currywürste." Dann aber von der Normvariante, die Müller in der anderen Hand hält: etwa 100 oder 200 Gramm schwer.

Über die Grundzutaten gibt es - bei allen Varianten - keinen Zweifel. "Currywurst kann jeder machen", erklärt Müller. Sie besteht aus geräuchertem Schweinefleisch, der Unterschied zur Bratwurst ist gering. "Aber natürlich ist Curry drin. Das ist anders als bei der Jägerwurst - die enthält keinen Jäger", lacht er. Hergestellt wird die Currywurst im Kunstdarm, aus dem sie heute maschinell geschält wird.

Früher war das anders, wie sich Müller erinnert. Da musste der Darm an den Imbissbuden oder Hotelküchen selbst entfernt werden - und wenn das nicht passierte, konnten die Folgen katastrophal  sein. "Mein Vater hat einmal Wurst an ein Hotel geliefert und die haben es vergessen - bis die Wurst explodiert ist."

Die genaue Zubereitung ist für Müller eher Nebensache: "Manche schwören auf die Zubereitung in der Pfanne, die anderen in der Fritteuse - aber beides schmeckt gut." Viel entscheidender: die Optik. Die typische Currywurst wird in kleinen, etwa einen Zentimeter dicken Stückchen serviert.

Das Wichtigste ist nach Erfahrungen Müllers aber der richtige Ketchup, der dann mit Curry bestreut wird. "Er sollte nicht zu süß und nicht zu sauer sein, scharf, frisch schmecken, nicht zäh und klebrig sein, sondern an der Wurst haften - und auf keinen Fall Haut obendrauf haben."

Die Beliebtheit der Currywurst kennt keine Grenzen. "Currywurst geht eigentlich immer. Das läuft wie geschnitten Brot." Inzwischen hat die Currywurst das Umfeld der Imbissbude längst verlassen, ist nicht nur bei Schützen- oder Stadtfesten gefragt: "Wir haben einmal für das Mitternachtsbüffet einer Hochzeit den Imbisswagen aufgestellt. Die Leute waren wie von Sinnen." Inzwischen sei das kein Einzelfall. "Das ist schick", so Müller, der schon weitere Buchungen für Hochzeiten und Jubiläumsgeburtstage vorliegen hat.

Die meisten Currywurstliebhaber sind nach Beobachtungen Müllers 30 Jahre und älter. "Die sind damit aufgewachsen". Aber um die Zukunft der Spezialität ist Müller trotz Konkurrenz durch Hamburger, Döner & Co nicht bange: "Currywurst, das ist einfach Kult."

wu, Soltau -- Heide Kurier, 20.10.2010

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